Funktion und Nutzung

Sämtliches Leben ist untrennbar mit dem Rohstoff Salz verbunden. So einzigartig im Geschmack, so vielfältig ist die Wirkung von Salz. Entscheidend ist bei jeder Anwendung die Dosierung. Darum ist der kontrollierte, sorgsame Umgang mit dem Naturstoff Salz überlebenswichtig.

1. Mensch und Salz

Salz ist Leben
bosch_garten-edenAls sich auf der Erde das erste Leben regte, hatte das Salz seinen Anteil daran. In den Urmeeren bildeten Salz und andere chemische Grundstoffe zusammen mit Wasser eine «Ursuppe», in der sich erste Mikroorganismen entwickeln konnten.
Auch der Vielzeller Mensch trägt seit Beginn seiner 3 Millionen Jahre alten Entwicklung das Urmeer in sich, nämlich in der so genannten Extrazellulärflüssigkeit, die unsere Zellen umgibt. Sie enthält pro Liter 9 Gramm Kochsalz.
Salz ist ein besonderer Stoff, einzigartig im Geschmack, vielfältig in der Wirkung. Feine Speisen ertragen nur kleine Prisen, kräftiges Badewasser ist mit vollen Händen zu salzen, und Salz in die Wunde streuen schmerzt nicht nur sprichwörtlich.
Die Tränen der Freude, der Schweiss für den Preis und das Blut in unsern Adern machen klar – Salz ist Nahrung. Im Solbad geben Wasser, Wärme und Salz dem schweren Körper Auftrieb, entspannen den Geist, pflegen die Haut und aktivieren den Kreislauf.

Die natürliche Arznei
Die Medizin früherer Zeiten räumte dem Salz eine universelle Bedeutung ein. Salz war auch Arznei. Es hatte seinen Teil an der Hygiene und galt als wirksame Diät. Und schon damals schätzte man die heilende Wirkung von Meerwasser und Solebad.
Unentbehrlich ist zum Beispiel 0,9%ige Kochsalz-Lösung, die bei Unfällen mit Blutverlust oder als Trägerflüssigkeit für andere Medikamentenlösungen in Infusionen verwendet wird. Diese physiologische und isotonische Kochsalzlösung hilft Leben zu retten.
Salz wird aber auch in der Naturheilkunde und in der Hausmedizin erfolgreich eingesetzt. Salzwasserlösungen in einer bestimmen Konzentration wirken abschwellend auf entzündete Schleimhäute und helfen bei Schnupfen, Hals- und Rachenentzündungen. In unsere Zeit hinübergerettet hat sich auch das Wissen um die heilende Wirkung der Solequellen. Solebäder werden bei einer ganzen Reihe von Beschwerden vor allem des Bewegungsapparates eingesetzt (Gicht, Rheuma, Ischias). Auch für die Nachbehandlungen bei orthopädischen oder neurologischen Operationen, bei Unfallverletzungen, Lähmungsfolgen, Herz-Kreislauf-Störungen und Atemwegserkrankungen wird das warme Solebad gerne eingesetzt. Viele bekannte Badekurorte entstanden zur Römerzeit.
Hauterkrankungen werden direkt am Meer und in Kliniken mit Salz, Licht und Wärme erfolgreich behandelt. Menschen, die unter Psoriasis (Schuppenflechte) leiden, finden in den Kurorten des Toten Meeres Linderung. Das besondere Reizklima der Nordsee war schon vor 200 Jahren für seinen günstigen Einfluss auf die Erkrankungen der Atemwege bekannt.

Die Rolle von Natrium (Na) und Chlor (Cl)

Die Rolle von Natrium (Na) und Chlor (Cl)Eine andere wichtige Funktion hat das Natrium bei der Reizleitung im Nervensystem. Nervenzellen enthalten im Ruhezustand Kaliumionen und ihre Zellmembran ist undurchlässig für Natriumionen. Erst bei Erregung wird die Membran schlagartig durchlässig und Natriumionen strömen ein, der elektrische Zustand der Zelle ändert sich. Dies meldet die Nervenfaser als elektrisches Signal weiter. Ist das Kalium-Natrium-Verhältnis im Körper gestört, namentlich durch Salzmangel, so können Müdigkeit, Abgespanntheit, Reaktionsträgheit und Muskelkrämpfe auftreten. Natrium kann aber nicht durch Kalium ersetzt werden. Oft werden Diätempfehlungen diesbezüglich falsch verstanden.
Die Rolle von Natrium (Na) und Chlor (Cl)Während Natriumionen im Nervensystem ihre Hauptaufgabe haben, ist das Chloridion für die Verdauungsfunktion von zentraler Bedeutung. Der Magensaft enthält neben Schleim und Enzymen auch Salzsäure, die ihn stark sauer macht (pH-Wert 1,0–1,5). Dies ist wichtig, weil dadurch Krankheitskeime aus der Nahrung abgetötet werden und Nahrungseiweiss für die weitere Verdauung vorbereitet wird.
Der Geschmack von Tränen und Schweiss macht uns bewusst, dass wir Salz im Körper haben. Bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm sind das immerhin 125 Gramm (siehe Grafik NaCl-Verteilung). Allerdings ist dies kein konstanter Wert, denn durch Schweiss und Harn scheiden wir täglich Salz aus. Der Zwang, verloren gegangenes Salz zu ersetzen, steckt in Mensch und Tier. Ein längerer Verzicht auf Salz führt zu Mangelerscheinungen, Erkrankungen und in extremen Fällen sogar zum Tod. Es besteht aber bei einseitigen Diäten, Störungen des Durstempfindens bei alten Menschen oder bei extremem Durchfall und Ausdauersportarten ein Salzmangelrisiko.

Wie viel Salz braucht der Mensch?
Der Salzbedarf ist sehr individuell und schwankt je nach Gewicht, körperlicher Aktivität und Gesundheitszustand. Erwachsene Personen benötigen pro Tag 4 bis 6 Gramm Kochsalz. Bei einer ausgeglichenen Ernährung sind diese Mengen in den Mahlzeiten enthalten. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird dieser Richtwert laut Statistik um ein bis zwei Gramm pro Tag überschritten.

Jod im Salz – dem Kropf an den Kragen
Jod im Salz – dem Kropf an den KragenSalz trägt als ideales Trägermedium für Spurenelemente zur Gesundheit bei. Der menschliche Körper braucht zur Regelung der Schilddrüsenfunktion Jod. Der Tagesbedarf liegt bei einem Erwachsenen zwischen 100 bis 150 Mikrogramm (0,00015 g). Eine verschwindend kleine Menge – und doch ist die Aufnahme durch Nahrung oder Getränke nicht garantiert. Ein Mangel an Jod führt zu Kropf und anderen Mangelerscheinungen.
Schon Anfang des Jahrhunderts wusste man über die Folgen des Jodmangels Bescheid. Lokalen Versuchen folgte 1922 die erste flächendeckende Salz-Jodierung. Die Schweiz übernahm damit eine Pionierrolle. Seit damals fügen die Schweizer Salinen im Auftrag der Behörden dem Speisesalz Kaliumiodid bei. Sicher kann der Rückgang des Kropfes und der Jodmangelkrankheiten im Wesentlichen darauf zurückgeführt werden. Die Speisesalz-Jodierung ist heute ein wichtiges Element im weltweiten Gesundheitsprogramm der WHO und der UNICEF.

Fluorid im Salz – den Zähnen zuliebe
Fluorid im Salz – den Zähnen zuliebeDas Schweizer Speisesalz JuraSel® gibt es nicht nur mit Jod, sondern auch mit Fluor. Die Zahnmedizin hat schon früh festgestellt, dass die regelmässige Umspülung des Zahnschmelzes mit Fluorid bereits in kleinsten Konzentrationen konservierend und härtend auf den Zahnschmelz wirkt. Nicht nur in der Wachstumsphase, selbst bei betagten Menschen wirkt Fluor. Fluorid im Speisesalz ist deshalb eine sinnvolle und erst noch billige Kariesprophylaxe für die ganze Bevölkerung.

2. Biologie

Salzpflanzen
Salz und seine Welt haben viel Überraschendes zu bieten, manchmal aber erst auf den zweiten Blick. So bei den Salzpflanzen oder Halophyten. Sie besiedeln Meeresküsten, Salinengebiet, Marschland, Salzwüsten oder salzhaltige Quellen. Es sind Überlebenskünstler, die dank verschiedener physiologischer Strategien bei Salzkonzentrationen von mehr als 0,5 Prozent noch gut gedeihen. Salzausscheidende Drüsen, extreme Wasserspeicherung (Sukkulenz) und Filtration in den Wurzeln sind typische Beispiele für die Anpassung. Auch die opportunistische Lebensweise kann erfolgreich sein. Solche Pflanzen beenden Lebenszyklus und Samenbildung, noch bevor die Salzkonzentration im Gewebe den tödlichen Wert erreicht.
Die starke Sonnenstrahlung, grosse Temperaturschwankungen und Trockenheit schaffen für die Pflanzen an der Küste harte Lebensbedingungen, ähnlich wie im Hochgebirge, in Wüsten und Polargebieten. So sind viele Salzpflanzen zwergwüchsig oder sie wachsen in Polstern und die Blätter sind klein, lederig, fleischig oder behaart.
Die folgenden Beispiele sollen Ihnen die Vielfalt der Salzpflanzen etwas näher bringen. Jede der Pflanzen ist dabei auf ihre spezielle Weise repräsentativ.

Strandstern (Asteriscus maritimus L.)
Strandstern (Asteriscus maritimus L.)Der ausdauernde Strandstern (Asteriscus maritimus L.) macht während der Blütezeit im Frühjahr auf sich aufmerksam, wenn seine kräftigen gelben Blüten die Küstenfelsen am Mittelmeer überziehen. Sonst ist diese Pflanze aus der Familie der Korbblütler eher unscheinbar. Der Zwergstrauch ist unten verholzt, im oberen Teil schmalblättrig und rau behaart. Darum trotzt er Wind, Hitze, Strahlung und Trockenheit.

Binse (Juncus acutus)
Binse (Juncus acutus)Gräser, Seggen und Binsen gehören zur typischen Flora von Stränden, Sümpfen und küstennahen Flachgebieten. Sie werden oft als Pionierpflanzen für die Landgewinnung, als Futter oder Einstreu in der Landwirtschaft oder wie das Schilf als Baumaterial genutzt. Aus der Distanz sehen sie einander ähnlich. Gräser, Seggen und Binsen sind aber miteinander nicht verwandt. Wir haben für die Illustration die stechende Binse (Juncus acutus) ausgewählt. Sie besiedelt, wie die sehr ähnliche J. maritimus, die Küsten am Mittelmeer.

Meertraube (Coccoloba uvifera)
Meertraube (Coccoloba uvifera)Die Meertraube (Coccoloba uvifera) aus der Familie der Knöterichgewächse ist oft der einzige Schattenspender an einsamen Sandstränden in Mittel- und Südamerika und in der Karibik. Sie wächst als immergrüner, mehrstämmiger Baum und kann bis 8 Meter hoch werden. Die wind- und salzresistente Meertraube ist Nutz- und Zierpflanze. Sie liefert essbare und verwertbare Früchte, Brennholz und Farbstoff. Die Wurzel wird in der Volksmedizin gegen Durchfall und die Baumrinde gegen Halsentzündungen eingesetzt.

Dickblättriger Wegerich (Plantago coronopus)
Dickblättriger Wegerich (Plantago coronopus)Der dickblättrige Wegerich (Plantago coronopus) siedelt gerne an sandigen und felsigen Stellen der mitteleuropäischen Küsten. Seine Erscheinung und sein Vorkommen kennzeichnen ihn als salztolerante Pflanze. Und doch erkennt auch der Laie die Verwandtschaft zum heimischen Spitz- und Breitwegerich.

Mangrovenwälder (Rhizophora mangle)
Mangrovenwälder (Rhizophora mangle)Mangrovenwälder (Rhizophora mangle) verleihen tropischen Küsten und Flussmündungen eine besondere Faszination, einerseits als einzigartiger Lebensraum und andererseits als abenteuerliche Film- und Reisekulisse. Mangroven gedeihen im Salz- und Brackwasser und ertragen Gezeitenwechsel problemlos. Mit R. mangle haben wir die am weitesten verbreitete und wichtigste Art gewählt. Sie liefert rötliches Holz zur Gewinnung von Gerbstoffen und zur Herstellung von Holzkohle. Die Samen verbreiten sich auf ganz originelle Art. Sie keimen auf der Mutterpflanze aus, fallen ins Wasser und bleiben im Schlick wie ein Setzholz stecken.

Ausdauernder Queller (Salicornia perenne)
Ausdauernder Queller (Salicornia perenne)Der ausdauernde Queller (Salicornia perenne) ist als Salatpflanze bekannt. Dieses populäre Gänsefussgewächs ist mit unserem Spinat verwandt. Der Queller ist eine fleischige, an Spargel erinnernde, salztolerante Pflanze, die häufig an Küsten, im Watt und in den Salzmarschen Europas heimisch ist. Sie wird auch zur Landgewinnung angepflanzt.

Salz-Spärkling (Spergularia salina)
Salz-Spärkling (Spergularia salina)Die Salzschuppenmiere oder der Salz-Spärkling (Spergularia salina) gehört zu den Nelkengewächsen. Diese unscheinbare, niedrig wachsende Pflanze gedeiht an Meeresküsten und auf salzhaltigen Böden in Europa, Nordafrika und in Vorderasien. Sie blüht weiss oder blassrosa von April bis September.

Tamariske (T. africana Poir.)
Tamariske (T. africana Poir.)Die Gattung der Tamarisken zählt rund 80 Arten tief wurzelnder, Laub werfender Bäume und Sträucher, die vom Mittelmeergebiet bis nach China heimisch sind und häufig in Wüstengebieten vorkommen. Sie werden als Windschutz an Küsten angepflanzt. Einige sind Medizinalpflanzen oder liefern Farbstoff. Wüstenvölker schätzen seit biblischen Zeiten das Manna (Tamarix mannifera). Die Illustration zeigt die Afrikanische Tamariske (T. africana Poir.), die an Flussläufen, an flachen Küsten und in Sanddünen des Mittelmeergebietes, Nordafrikas und der Kanaren gedeiht. Sie wird auch als Zierpflanze und Alleebaum kultiviert.

Strandwinde (Calystegia soldanella L.)
Strandwinde (Calystegia soldanella L.)Die Strandwinde (Calystegia soldanella L.) ist eine Verwandte unserer Ackerwinde. Sie hat sich warme Küstenregionen rund um die Welt als Lebensraum ausgesucht. Sie kriecht über Sand, Fels und Dünen. Ihr kräftiges, immergrünes und fleischiges Blattwerk und die hellen rosa und weiss gestreiften Blütentrichter ziehen die Blicke der Strandwanderer auf sich.
Illustrationen: Heinrich Bäbler

Tiere, Wasser und Salz
Das Meer ist die Wiege des Lebens, und es pulsiert noch immer in unsern Adern. Kein Leben ohne Wasser, kein Leben ohne Salz. Ob im Meer oder im Fluss, im triefenden Regenwald, auf glühendem Wüstensand oder im Packeis der Antarktis – die Evolution der Organismen und der Überlebenskampf sind auch immer ein Kampf um das richtige Gleichgewicht zwischen Wasser und Salz. Wer die Diffusion umgehen kann und das Prinzip der Osmose zu nutzen weiss, ist mit dabei.
Alle Lebewesen brauchen Salz, ertragen aber nur wenig davon. Wie die Natur dieses Problem erfolgreich löst, stellen wir Ihnen am Beispiel verschiedener Wirbeltiere vor. Die Auswahl ist nicht ganz zufällig, denn erst die gegensätzlichen Lebensbedingungen rücken die Entsalzungs-Strategien ins rechte Licht.
Die Evolution der Wirbeltiere hat verschiedene Organe zur Osmoregulation befähigt. So etwa die Haut und die Kiemen. Sie stehen als äussere Grenzflächen im direkten Kontakt mit dem umgebenden Medium, Meerwasser, Süsswasser oder Luft. Drüsen, die aktiv Salz ausscheiden, sind im Tierreich weit verbreitet. Bei Reptilien und Vögeln sind sie im Augen-, Nasen- und Mundbereich zu finden. Ebenso effizient sind die Nieren an der Regelung des Wasser- und Salzhaushaltes beteiligt.

Atlantischer Lachs (Salmo salar)
Atlantischer Lachs (Salmo salar)Der Lachs ist weit mehr als ein ausgezeichneter Speisefisch. Legendär sind seine Wanderungen. Die Jungfische verlassen ihre Heimatgewässer, wandern stromabwärts und verschwinden in der sagenumwobenen Sargassosee. Mit der Geschlechtsreife treten sie die Rückkehr ins Süsswasser an, geleitet durch ihren phänomenalen Geruchssinn und den übermächtigen Drang zur Laichablage.
Der Lachs ist Süss- und Meerwasserfisch zugleich, und das macht ihn noch interessanter.
Im Süsswasser hat sein Körper eine grössere Salzkonzentration als das umgebende Wasser, und deswegen tritt es laufend durch Haut und Kiemen ein. Der Lachs droht zu quellen. Die Niere muss das Wasser ausscheiden und Salz zurückbehalten. Sie produziert deswegen grosse Mengen stark verdünnten Urins. Im Meerwasser hingegen hat der Körper des Lachses eine geringere Salzkonzentration als das umgebende Wasser. Das Salzwasser entzieht ihm laufend Körperflüssigkeit durch die Haut und durch die Kiemen. Er droht durch Wasserentzug (Dehydratation) paradoxerweise zu verdursten. Der Lachs trinkt darum laufend grosse Mengen Salzwasser, die Niere hält das Süsswasser zurück und scheidet das Salz aus. Sie produziert wenig, aber stark konzentrierten Urin. Auch die Kiemen der Meerfische können Salz ausscheiden.

Rennkuckuck (Geococcyx californianus, G. velox, amerik. Roadrunner)
Rennkuckuck (Geococcyx californianus, G. velox, amerik. Roadrunner)Der Renn- oder Erdkuckuck ist ein origineller Wüstenvogel, der sich in seinem Lebensraum hervorragend zu behaupten weiss. Zwei amerikanische Arten sind bekannt. Sie kommen in den westlichen USA, z.B. in der Sonora- und Mojave-Wüste und in Mittelamerika vor und sind wegen ihrer spektakulären Schnellfüssigkeit bekannt. Sie erreichen fast 30 km/h. Rennkuckucke sind Allesfresser, flitzen aber hauptsächlich hinter Reptilien und Insekten her. Auch Kolibris und Klapperschlangen verschmähen sie nicht. Der Rennkuckuck wurde wegen seiner quirligen Art auch als Comic-Figur The Road Runner von Chuck Jones (Warner Brothers) populär.
Mit Wasser gehen Rennkuckucke sehr sparsam um. Die Wasserretention im Enddarm ist extrem, der Kot daher knochentrocken. Während der brütenden Mittagshitze reduziert der Rennkuckuck seine Aktivität um die Hälfte. Überschüssiges Salz wird durch eine Salzdrüse in der Nase ausgeschieden, die Niere spielt für die Salzregulation keine Rolle.

Seeschlangen (Hydrophiidae)
Seeschlangen (Hydrophiidae)Seeschlangen bewohnen tropische Gewässer vom Persischen Golf bis zum Südwesten des Pazifischen Ozeans. Sie sind alle giftig. Gewöhnlich werden sie etwa 1,5 Meter lang. Junge Seeschlangen schlüpfen zumeist bereits im Körper des Weibchens, sie werden also lebend geboren. Die meisten Arten verlassen das Wasser nie. Sie sind hervorragende Schwimmer, müssen aber grundsätzlich Luft holen. Sie können auch mehrere Stunden unter Wasser bleiben, indem sie Wasser schlucken, den darin gelösten Sauerstoff aufnehmen und das Wasser wieder ausstossen. Seeschlangen ernähren sich von Fischen. Sofern sie sich nicht bedroht fühlen, greifen Seeschlangen Menschen in der Regel nicht an. Seeschlangen scheiden das überschüssige Salz durch Drüsen aus, die sich unter der Zunge befinden.

Kamel (Camelidae)
Kamel (Camelidae)Das einhöckrige Kamel (Camelus dromedarius) und das zweihöckrige Kamel (Camelus ferus) leben in den Wüstenregionen Asiens und Nordafrikas. Beide Arten werden seit alters her domestiziert und geniessen als Existenzgrundlage oder als Rennkamel hohe Wertschätzung. Kamele sind in der Lage, lange Trockenperioden und grosse Hitze ohne Wasseraufnahme zu überstehen. Sie zeigen eine extreme Art der Steuerung des Wasser- und Salzhaushaltes. Das Fettgewebe in den Höckern ist Energiereserve und Wasserspeicher zugleich. Beim Abbau des Fettes wird Wasser in den Stoffwechsel abgegeben. Die Urinmenge ist gering, aber hochkonzentriert an Harnstoff und Salz.
Das zweihöckrige Kamel kommt frei lebend nur noch im Südwesten der Mongolei und im Nordwesten Chinas vor. Der Bestand ist unter 1000 Tiere gesunken. Anfang 2001 sorgte die Entdeckung einer angeblich unbekannten, Salzwasser trinkenden Kamelart kurz für Schlagzeilen. In den abgeschiedenen Kum-Tagh-Dünen in der chinesischen Provinz Xinjiang, am Rande des tibetischen Gebirges, sollen noch 600 Exemplare leben. Fotos gab es keine, und eine Bestätigung der Meldung blieb bis heute aus.

Pinguin (Spheniscidae)
Pinguin (Spheniscidae)Gross und Klein haben diese drolligen Vögel ins Herz geschlossen. Ihr Frack und der aufrechte Watschelgang mögen unbeholfen wirken, im nassen Element brillieren Pinguine hingegen mit herausragenden Schwimmkünsten. Sie sind auch hart im Nehmen, leben doch die 18 Pinguinarten grösstenteils in der Antarktis und auf subantarktischen Inseln. Weitere Arten sind an den Küsten Australiens, Südafrikas und Südamerikas, sowie auf den Galápagos- und den Falkland-Inseln beheimatet. Wenn ihnen der Zugang zu Süsswasser verwehrt bleibt, treten bei den Pinguinen, wie bei anderen Meeresvögeln, die Salzdrüsen in Funktion, um die Salzkonzentration im Körper zu regulieren. Die Salzdrüsen befinden sich bei den Pinguinen hinter den Augen. Sie münden in die Nasenhöhlen. Die konzentrierte Salzlösung tritt durch die Nasenlöcher aus und tropft am Schnabel ab.

Flamingos (Phoenicopteridae)
Flamingos (Phoenicopteridae)Es ist ein eindrückliches Schauspiel, wenn sie sich zu Tausenden mit lautem Gekreisch aus den Lagunen in die Luft erheben und der Himmel weissrosa flimmert. Aber auch im Zoo faszinieren diese langbeinigen, langhalsigen und krummschnäbligen Vögel, wenn sie majestätisch nach Nahrung gründelnd umher stelzen. Flamingos brüten in verschiedenen Teilen der Erde, meist in stehenden Gewässern oder auf niedrigen Inseln in flachen Teichen, Salzseen und Lagunen. Weniger bekannt ist ihre perfekte Anpassung an den meist sehr salzigen Lebensraum. Selbst die alles zerfressenden Natronseen Ostafrikas können ihnen nichts anhaben. Flamingos scheiden das überschüssige Salz durch Salzdrüsen in der Nase aus. Einige Flamingoarten trinken Süsswasser aus Geysiren und heissen Quellen.

Meerechse (Amblyrhynchus christatus)
Meerechse (Amblyrhynchus christatus)Dieses urtümliche Reptil gehört zur einzigartigen Tierwelt des Galápagos-Archipels. Charles Darwin machte sich dort grundlegende Gedanken zur Evolution und zur Entstehung der Arten, weil er die Beweise lebendig vor sich sah. Die Meerechsen leben auf den brandungsumtosten Klippen und scheinen mit ihrer düstern Farbe und dem zerfurchten Aussehen direkt der Lava entsprungen zu sein. Es sind aber harmlose Pflanzenfresser, die sich von Seegras, Algen und Tang ernähren. Sie regulieren die Salzkonzentration des Körpers durch Salzdrüsen. Sie befinden sich vor den Augen und münden in die Nasenhöhle. Die konzentrierte Salzlösung tritt als feine Tropfen aus den Nasenlöchern aus.

Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)
Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)Diese Meeresschildkröte bewohnt alle warmen Meere. Sie erreicht eine Panzerlänge bis 90 Zentimeter. Die Form ihres Oberkiefers erinnert an einen Greifvogelschnabel. Echte Karettschildkröten ernähren sich von Fischen, Weichtieren, Krebstieren und verschiedenen Meerespflanzen. Sie werden zur Gewinnung von Schildpatt gejagt und dezimiert. Um die Hornplatten vom Rückenpanzer der Schildkröte ablösen zu können, werden die Tiere oft bei lebendigem Leib einer Hitzequelle ausgesetzt. Die Schildkröten können diese Prozedur überleben und bilden dann neue Platten, die als Schildpatt aufgrund der minderen Qualität nicht mehr geeignet sind. Wie andere Meerestiere muss die Echte Karettschildkröte dauernd überschüssiges Salz in starker Konzentration ausscheiden. Spezielle Salzdrüsen übernehmen diese Funktion. Ihre Öffnung ist vor dem Auge und an der Luft bildet sich ein verkrustendes Rinnsal. Schildkröten und auch andere Tiere mit Salzdrüsen scheinen daher dauernd zu weinen.

Felchen (Coregonus spez.)
Felchen (Coregonus spez.)Der bestbekannte Edel- und Speisefisch gehört zu den lachsähnlichen Fischen. Er ist vorwiegend in kalten und tiefgründigen Seen der nördlichen Hemisphäre beheimatet. Er ist ein typischer Süsswasserfisch und ernährt sich von Plankton und wirbellosen Tieren.
Sein Körpergewebe hat eine grössere Salzkonzentration als das Süsswasser, und darum tritt laufend Wasser durch Haut und Kiemen in den Körper ein. Der Felchen trinkt kein Wasser, und er muss Salz zurückbehalten. Die Niere filtert das Salz aktiv aus. Sie produziert folglich grosse Mengen stark verdünnten Urins.

Robben (Pinnipedia)
Robben (Pinnipedia)Diese Säugetiere bevölkern alle Meeresregionen der kalten und gemässigten Zonen. Nur die Mönchsrobben kommen in tropischen Gebieten vor. Robben bilden drei Familien: Ohrenrobben (Seelöwen, Pelzrobben), Walrosse und Hundsrobben (Seeelefanten). Die Vorfahren der Robben waren früher Landbewohner und haben sich im Laufe ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung ins Wasser zurückgezogen. An das Leben im Wasser sind sie nahezu perfekt angepasst, obwohl sie zur Paarung und zur Aufzucht der Jungen an die Küste oder auf das Treibeis zurückkehren. Als Raubtiere ernähren sie sich von Fischen, Krebsen, Mollusken und anderen Meereslebewesen. Sie regulieren den Salzhaushalt über die Nierenfunktion. Der Urin ist stark konzentriert.

3. Salz und Umwelt

Salz ist überall
Salz ist überallSalz ist ein natürliches Mineral. Es kommt in riesigen Mengen als Steinsalz (Halit) in geologischen Schichten oder gelöst als Natrium- und Chloridionen in Meeren, Seen und Flüssen vor. Die Lebewesen enthalten geringe Mengen Salz.
Leben und Salz sind unlösbar miteinander verbunden. Eine kleine Prise von täglich 4 bis 6 Gramm genügt uns schon. Zu viel Salz im Trinkwasser und im Ackerboden kann aber jegliches Leben verhindern. Versalzung und Verwüstung, ob natürlich oder durch den Menschen verursacht, werden darum oft einander gleichgesetzt. Was schon in der Bibel ein Fluch war, ist andererseits für die Konservierung von Lebensmitteln ein Segen. Darum ist der kontrollierte, sorgsame Umgang mit dem Naturstoff Salz – im doppelten Sinn – überlebenswichtig.

Schweizer Rohstoff Salz, naheliegend und ökologisch
Salz ist ein Schweizer Rohstoff, der noch für Jahrhunderte reicht. Unser Salz ist das Geschenk des Urmeeres, das vor 200 Millionen Jahre verdunstete und in der Nordwestschweiz, im Jura und im Mittelland bis 100 Meter dicke Salzschichten hinterliess. Die Salzschichten sind von jüngerem Gestein überdeckt.
Das Prinzip der Siedetechnik, wie sie bei den Schweizer Salinen angewendet wird, ist einfach. Wir bohren die Salzschichten in 140 bis 400 m Tiefe an und pumpen Trinkwasser hinab. Das Salz löst sich auf, Ton, feiner Sand und unlösliche Mineralien bleiben liegen. Die Salzlösung (gesättigte Sole) pumpen wir in grosse Tanks. Die Sole wird dort zuerst durch Ausfällen von Calziumsulfat und Calciumcarbonat enthärtet und anschliessend in Verdampfern erhitzt. Das Wasser verdunstet und reines, feines Salz kristallisiert aus. Der Dampf wird wieder aufgeheizt und erneut genutzt. Kondensiertes, mineralfreies Restwasser leiten wir in den Rhein. Das Salz geht lose oder abgepackt in den Wirtschaftskreislauf. Gips- und andere Mineralien, die bei der Soleenthärtung als Schlamm anfallen, werden in den Untergrund zurückgepresst, dorthin, wo sie vorher schon waren.
Die Produktion einer Tonne Salz braucht dank Wärmerückgewinnung heute 15-mal weniger Energie als früher.

Das Salz im Wasser
Das Salz im WasserSalz ist sehr gut wasserlöslich und darum enthalten praktisch alle Gewässer von Natur aus Salz, respektive Na- und Chloridionen. Salz- und mineralhaltige Quellen werden seit Generationen für Trink- und Heilzwecke genutzt und das Meer ist ohne Salz kaum vorstellbar.
Da aber bei vielen Industrieprozessen, durch Abwässer, Düngung und durch den Winterdienst Kochsalz und andere Salze in die Natur abgegeben werden, ist eine strikte Überwachung des Grundwassers und der Fliessgewässer nötig, um deren Qualität und mögliche gesundheitliche Risiken beurteilen zu können. Identifikation, Beurteilung und Rückverfolgung von Natrium und Chlorid in Gewässern sind, zumindest in der Schweiz, Routine geworden und transparent.
Die Schweiz ist Mitglied der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins und daher mitverantwortlich für die Wasserqualität dieses wichtigen europäischen Flusssystems. Die Messwerte bei Basel bringen den Stand unseres Gewässerschutzes auf den Punkt, sind sie doch für rund 70 % der Schweiz repräsentativ! Überzeugen Sie sich selbst, dass die Salzbelastung der Gewässer in der Schweiz kein Anlass zu Besorgnis gibt: iksr.org.

Auftausalz – ökologisch sinnvoll
Der Winterdienst mit Auftausalz ist in den letzten Jahren durch das Diktat der Ökonomie und der Ökologie wesentlich verbessert worden. Feuchtsalztechnik, Infrarot- und EDV-gesteuerte Streutechnik, vernetzte Strassenzustandsdiagnose, verbesserte Wetterinformation und Optimierung der Einsatzplanung trugen dazu bei. Das Konzept des «differenzierten Winterdienstes» setzt klare Prioritäten bei Hochleistungsstrassen und gefährlichen Strecken. Wo es verantwortbar ist, wird auf die Schwarzräumung verzichtet. Heute werden je nach Witterung nur noch 5 bis maximal 20 Gramm Salz pro m2 gestreut.
Das Wetter hat den grössten und zugleich einen unberechenbaren Einfluss auf den Salzverbrauch. Die jährlichen Verkaufsmengen der Schweizer Salinen schwanken zwischen ca. 100’000 und 300’000 Tonnen Auftausalz, im langjährigen Mittel sind es rund 150’000 Tonnen.
Salz ist unbestritten das wirkungsvollste und wirtschaftlichste Mittel, wenn es darum geht, vereiste Strassen für den Verkehr sicherer zu machen. Es gilt jedoch immer zwischen Verkehrssicherheit, Kosten und Umweltbelastung abzuwägen. Für den Winterdienst heisst darum der Grundsatz: «So viel wie nötig, so wenig wie möglich».

Stumpfe Waffe Splitt
Lange galt Splitt als die ökologische Alternative zum Auftausalz. Aber schon bei der Verkehrssicherheit schneidet Splitt schlecht ab. Bei Reif- und Eisglätte sind abstumpfende Stoffe nämlich wirkungslos. Unfallanalysen belegen dies klar.
Im Mengenvergleich schneidet Splitt nochmals schlechter ab, muss doch für die gleiche Wirkung zehn- bis zwanzigmal mehr Splitt als Auftausalz gestreut werden, denn nach 300 bis 500 Fahrzeugüberfahrten ist der Splitt aus der Rollspur geschleudert und es muss wieder neu gestreut werden.
Entsprechend hoch sind die Kosten für Splitt im Ankauf, für Transport, Lagerung und Streuung. Auch das Staub erzeugende Zusammenwischen, das aufwendige Recycling oder die Entsorgung als Sondermüll schlagen teuer zu Buche.
Quelle: Salz- und Splittstreuung im Winterdienst, neue Forschungserkenntnisse, Dr. Beatrice Ruess, Strasse und Verkehr 1998.

Salz und Strassenbäume
Kümmerliche Baum-, Busch und Grasbestände entlang von Strassen wurden früher einseitig dem Winterdienst mit Salz zur Last gelegt. Seit die vielen Stressfaktoren für Pflanzen im Lebensraum Stadt und Strasse besser bekannt sind und systematisch bekämpft werden, besteht kaum mehr Grund dazu. Schauen Sie selbst.
Im Vergleich zu Menschen und Tieren benötigen Pflanzen nur geringe Mengen Salz und reagieren empfindlicher darauf. Pflanzen im Lagunen- und Strandbereich des Meeres sind an die Wechsel der Salzkonzentration gut angepasst.
Wo an Strassen das Chlorid-Angebot gross ist, nehmen die Bäume auch mehr davon auf. Sie vermögen Chlorid aber im Holz zu speichern und damit vom aktiven Stoffwechsel fern zu halten.
Eine mehrjährige Studie an Alleebäumen in Hannover hat gezeigt, dass die Chloridgehalte im Verlauf eines Jahres starken Schwankungen unterworfen sind und Grenzwerte von max. 0,3 %, bei denen von Schädigung gesprochen wird, weder in den Pflanzen noch im Boden erreicht wurden. Das meiste Auftausalz gelangt mit Regen und Schmelzwasser in die Kanalisation und in die Fliessgewässer und daher nicht in den Wurzelbereich der Pflanzen (siehe Grafik «Schadfaktoren»).

Stressfaktoren für Strassenbäume

  • Bodenverhältnisse am Strassenrand
  • Bodenverdichtung
  • Einengung des Wurzelraumes
  • Wasser-, Nährstoff- und Sauerstoffmangel
  • Versalzung des Bodens durch Auftausalz
  • Mechanische Schädigung von Wurzeln
  • Leitungs- und Kanalisationsarbeiten

Verunreinigungen (z.B. Motorenöl, Hundekot)
Oberirdisch wirksame Stressfaktoren:

  • Typisches Grossstadtklima mit «Backofeneffekt»
  • Gas- und staubförmige Luftverunreinigungen (Immissionen)
  • Mechanische Schädigung des Stammes, der Äste und Zweige

«Saurer Regen» *Salzwasser